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A4-Fibel
X-Plan
3. Oktober 1942
70 Jahre erfolgreicher Erststart Aggregat 4-V4
   
 
   
   
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Der Einsatz des Aggregats 4 als Vergeltungswaffe 2

In der Propaganda wurde diese Rakete als Vergeltungswaffe Nr. 2 "V 2" bezeichnet. Mit der Großrakete war eine völlig neue Waffe entstanden. Daraus sollte der modernste Teil der Artillerie entstehen, die Fernraketen-Abteilungen! Es gab in keinster Weise ein geeignetes Vorbild. Man beachte nur, die Truppe sollte plötzlich mit flüssigem Sauerstoff mit minus 183°C umgehen! Als erstes entstand das Versuchskommando Nord (VKN) in Peenemünde.
Da seitens der obersten Führung die Großrakete A4 nur als Fernkampfmittel gegen England gedacht war, plante man den Verschuss aus einem gewaltigen Bunker, dessen Deckenstärke bis zu 7m betragen sollte. So begann im Sommer 1943 südlich von Dünkirchen der Bau des "Kraftwerkes Nordwest" bei Watten in Nordfrankreich. Obwohl die Maginot-Linie trotz ihrer riesigen Kosten nahezu nutzlos war und das Fort Eben Ernahel auch nur einen Tag standhielt, beging man denselben Fehler. Diese riesige Baustelle zog die feindlichen Bomber förmlich magisch an. So wurde diese gewaltige Anlage, noch im Aufbau begriffen, durch zwei Bombenangriffe am 27. August und 7. September 1943 mit 484 Treffern praktisch zerstört. Aber nicht genug damit, ein neuer Bunker in der Nähe von St. Omer (südlich Dünkirchen) wurde bei Wizernes begonnen. Er hatte den Decknamen Bauvorhaben 21 und umfasste, auf 5 ha verteilt, jegliche Art von unterirdischen Anlagen. Die zwei größten Räume hatten Deckenhöhen von 15 und 20 m. Die Raketen sollten aufrecht im Hauptbunker vorbereitet und direkt daneben verschossen werden. Obwohl auch diese Bunkeranlage regelmäßig bombardiert wurde, gelang es nicht, dieses Bauwerk zu zerstören. So stellte man die Bautätigkeit erst nach der Alliierten Anlandung im Sommer 1944 ein.
Parallel zu den Bunkerbauten erfolgte die Aufstellung von beweglichen Raketenabteilungen. Mit Datum 26. Juli 1943 überreichte das Heereswaffenamt einen Aufstellungsplan an die Inspektion der Artillerie, d.h. es sollten zunächst Ausbildungsabteilungen auf verschiedenen Truppenübungsplätzen entstehen. Die Führung wurde dem Stab des Artilleriekommandeurs 191 übertragen. Als erste begann die Lehr- und Versuchsbatterie Köslin mit der Ausbildung, die später aus Tarnungsgründen die Nr. 444 erhielt. Im September 1943 kam die Artillerie-Abteilung 836 hinzu, und im November entstand noch die Abteilung 485.
Vor der Gefechtsreife lagen bereits Aufstellungsbefehle, Stärke und Ausrüstung sowie taktische Grundsätze jener Einheiten fest. Der Beweglichkeit und Tarnung galten die Hauptaugenmerke. Die Einrichtung ortsfester Batterien war entsprechend militärischer Gegebenheiten kein Erfolg versprechendes Vorhaben und wurde nach der Zerstörung der im Bau befindlicher Anlagen aufgegeben.
Die Lehr- und Versuchsbatterie 444 verlegte von Köslin auf den Truppenübungsplatz "Heidelager" bei Blizna, um unbehelligt von Luftaufklärung und Angriffen Schießversuche mit dem A4 unter Frontbedingungen durchführen zu können. Trefferergebnisse von anfangs 30 % wurden bis auf 80 % bei einem recht günstigen Streuwert verbessert. Die Abweichungen vom errechneten Zielpunkt betrugen teilweise nur vier Kilometer.
Im August 1944 wurde die erste Batterie zum Fronteinsatz befohlen. Das Unternehmen "Pinguin" sollte beginnen. Gleichzeitig lief der Machtkampf um die Befehlsbefugnis. Heinrich Himmler konnte durchsetzen, dass der Einsatz der V2 dem L XV. Korps entzogen und als Bevollmächtigter der SS-Gruppenführer Dr. Hans Kammler eingesetzt wurde.
Durch die Lehr- und Versuchsbatterie 444 sollten am 6. September 1944 die ersten zwei scharfen Schüsse auf Paris abgefeuert werden. In beiden Fällen versagte die Raketen. Mit unveränderter Zielvorgabe startete die erste scharfe Rakete nach einem Stellungswechsel der Batterie am 8. September 1944. Sie schlug im südlichen Paris ein. An demselben Tage startete die Artillerie-Abteilung 485 aus dem Gebiet von Den Haag die ersten Angriffe auf London. Die erste V2 schlug in Chiswick ein. Unangenehm war für die politische Führung des Landes, dass sie einen Tag vorher verkündet hatten: "Außer vielleicht einigen letzten Schüssen, die Schlacht um London ist vorüber!" In den ersten zehn Tagen wurden 44 Raketen verschossen: 14 auf Festlandziele, 30 in Richtung London. Bei 25 Treffern in London zählte man 516 zerstörte und 2098 beschädigte Gebäude.
Aufgrund der Luftlandung von Arnheim verlegte die 444. Batterie und 485. Abteilung nach Nordholland, um von dort nach Norwich und Ipswich zu schießen. In jedem Fall blieb die Offensive hinter den Planungen zurück. Hinzu kamen die technischen Schwierigkeiten: Bis zu 50% der Raketen mussten zur Instandsetzung zurück geschickt werden. Auch bei den V2-Einheiten kam mit dem Vorrücken der West-Alliierten das Ende. Gegen England wurde am 27. März das letzte Mal geschossen, nach Antwerpen am 28. März 1945. Der Versuch von dem mittlerweile noch zum SS-Obergruppenführer beförderten Dr. Hans Kammler bei Uelzen eine neue Stellung aufzubauen, kam durch die Turbulenzen der letzten Wochen nicht mehr zu Stande. Trotzdem gab es noch einige weitere Schüsse mit der A4-Rakete, wenn auch nicht militärisch genutzt.
Die Lehr- und Versuchsbatterie 444 verlegte am 28. Januar zurück nach Deutschland. Sie sollte von Buddenhagen aus (bei Peenemünde) noch eine Versuchsreihe mit weiter verbesserten A4-Raketen durchführen. Die neuen Raketen ließen auf sich warten. Schließlich verlegte man wieder. Anfang März kamen zwei Raketen, die mit Fernsteuerung ausgerüstet waren. Sie wurden von Armsen (südöstlich Verden an der Aller) in Richtung Nordsee verschossen, und man verlegte noch einmal. Die letzte Stellung war Welmsbüttel in Schleswig-Holstein. Von hier aus starteten am 6. April 1945 die letzten zwei Versuchsraketen in Richtung Nordsee. Bezeichnend war, dass die deutsche A 4-Ära nicht im militärischen Einsatz zu Ende ging, sondern mit einem Versuchsschießen.
Laut Statistik über den Verschuss des A4 (V2) ergeben sich rund 3280 im Einsatz verschossene Raketen, von denen 271 bereits von deutscher Seite als Fehlschüsse erkannt wurden.
© Przybilski

 

 

 

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